Im Semenggoh Wildlife Centre ist es möglich, Orang-Utans in freier Wildbahn zu beobachten

Nur wenige Kilometer südlich von Kuching befindet sich das Semenggoh Nature Reserve. Das Wildlife Centre ist die Hauptattraktion des Naturschutzgebiets. Hier wurden im Laufe von über 20 Jahren eine Reihe von Orang-Utans rehabilitiert. Die Tiere wurden zumeist aus Gefangenschaft befreit. Aber auch verwaiste Jungtiere oder verletzte Menschenaffen hat man aufgepäppelt und anschließend auf ein Leben in freier Wildbahn vorbereitet. Das Rehabilitationsprogramm war äußerst erfolgreich, und so lebt in Semenggoh heute eine Kolonie halbwilder Orang-Utans. Auch Nachwuchs haben die freigelassenen Tiere schon mehrfach hervorgebracht. Die Älteste von den erfolgreich ausgewilderten Primaten hat bereits drei Jungtiere zur Welt gebracht.

Orang-Utans im Semenggoh Wildlife Centre
Orang-Utans im Semenggoh Wildlife Centre

Früher nannte sich die Einrichtung Semenggoh Wildlife Rehabilitation Centre. Da die Tiere mittlerweile allerdings in einem nahegelegenen Rehabilitationszentrum, dem Matang Wildlife Centre, auf die Auswilderung vorbereitet werden, wurde der Name entsprechend geändert. Im Semenggoh Wildlife Centre werden sie nur noch in die freie Wildbahn entlassen und durch Fütterungen unterstützt. Außerdem wird der Gesundheitszustand in der ersten Zeit nach der Auswilderung stark überwacht.

Morgens und nachmittags werden die Tiere gefüttert – Besucher im Semenggoh Wildlife Centre können dabei zusehen

Die Tiere waren es gewohnt, von Menschen ausreichend gefüttert zu werden. Sie haben also eine gewisse Bindung und Vertrauen zu Menschen aufgebaut. Auch wenn jeder Orang-Utan in einem mehrstufigen und äußerst langwierigen Rehabilitationsprogramm auf ein Leben in Freiheit vorbereitet wurde, werden sie dennoch mit zwei täglichen Fütterungen unterstützt. Besucher des Semenggoh Wildlife Centre können diese mit etwas Abstand beobachten. Manchmal schlendern einzelne Tiere mit ihrer Mahlzeit aber auch über die Besucherplattform oder entlang der Wege dicht an den Besuchern vorbei. Die Anweisungen der Parkwächter sind daher unbedingt zu beachten.

Fütterung in Semenggoh
Mutter und Junges an der Futterstelle
Semenggoh - Orang-Utan bei der Fütterung
Männlicher Orang-Utan bei der Fütterung

Morgens zwischen 9 und 10 Uhr sowie nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr finden die Fütterungen statt. Dies sind auch die besten Zeiten für Besuche des Centres, da die Chance einen Orang-Utan zu sehen währenddessen um ein Vielfaches höher sind. Je nach Jahreszeit kann es allerdings passieren, dass gar keiner kommt. Im Sommer ist „Obstzeit“, und während dieser ist im umliegenden Regenwald für alle Tiere ausreichend Nahrung vorhanden. Eigentlich ist es ja unheimlich positiv, wenn die Tiere sich komplett selbst versorgen können und nicht auf zusätzliche Fütterungen angewiesen sind. Für Besucher sind diese Tage aber verständlicherweise enttäuschend.

Orang-Utans in freier Wildbahn zu beobachten ist ein tolles Erlebnis

Im Semenggoh Wildlife Centre gibt es zwei Stellen, an denen die Fütterungen stattfinden. Eine recht dicht am Parkplatz, eine zweite im Wald. Die Stelle im Wald wird allerdings erst für Besucher zugänglich gemacht, wenn auch tatsächlich ein Orang-Utan dort ist. Bevor es losgeht weisen die Wächter dich noch auf die Verhaltensregeln hin: ruhig sein, leise sprechen, Taschen und Rucksäcke geschlossen halten, auf keinen Fall essen oder Müll ablegen und das Blitzlicht der Kamera ausschalten.

Kommt ein Orang-Utan zu einer Fütterung, kündigt sich dies durch das Rascheln der Baumkronen an. Aufgrund des dichten Regenwaldes im Semenggoh Nature Reserve dauert es dann noch einen Moment, ehe du den ersten Blick erhaschen kannst. Ein beeindruckendes Erlebnis, wenn man den Primaten dabei zusehen kann, wie sie sich hoch oben von Baum zu Baum hangeln. Die letzten Meter klettern sie in Windeseile aus den Baumwipfeln nach unten, wo eine üppige Frucht-Mahlzeit auf sie wartet.

Orang-Utan im Semenggoh Nature Reserve
Orang-Utan schwingt sich durch die Baumkronen...
Semenggoh Wildlife Centre Affe klettert herab
... und klettert dann zur Futterstelle herab

Es ist total beeindruckend diese bedrohte Art aus der Nähe zu beobachten und zu sehen, wie sie sich über Bananen hermachen oder Kokosnüsse an Baumstämmen aufschlagen, um die Milch zu trinken und sie anschließend zu essen. Mit viel Glück kommt auch ein Muttertier mit ihrem Baby vorbei. Dann ist natürlich noch etwas mehr Vorsicht und Ruhe geboten. Die Mutter soll schließlich nicht das Gefühl haben in Gefahr zu sein und das Baby nicht verschreckt werden. Für die ganz Kleinen gibt es sogar Milch-Fläschchen.

Man merkt, dass die Tiere den Kontakt mit Menschen gewohnt sind. Sie wirken überhaupt nicht scheu und nehmen die Mahlzeit in aller Ruhe zu sich. Teilweise hat man sogar das Gefühl, dass sie die Interaktion mit den Menschen suchen. So zum Beispiel, wenn sie nach der Nahrungsaufnahme über die Plattform schlendern oder sich an den gespannten Seilen entlanghangeln und dabei fast durchgehend „in die Kamera“ gucken.

Mutter mit Jungtier
Posierender Affe in Semenggoh
Posierender Affe

Ritchie ist der Star im Semenggoh Nature Reserve

Mit „Ritchie“ lebt im Semenggoh Nature Reserve ein großes, sehr dominantes Männchen. Gegenüber anderen Männchen ist Ritchie teilweise etwas aggressiv. Er ist 1981 geboren und damit das älteste Männchen. Älter ist nur das Weibchen „Seduku“. Sie geht schon auf die 50 zu.

Richie wurde aus dem Semenggoh Wildlife Rehabilitation Centre ausgewildert
Richie wurde aus dem Semenggoh Wildlife Rehabilitation Centre ausgewildert

Aufgrund seiner Größe und Kraft sind die Parkwächter immer etwas angespannter, wenn Ritchie auch zu einer Fütterung kommt. Du wirst schon vor der Fütterung darauf hingewiesen wie du dich zu verhalten hast, falls er vorbeischaut. Andere Affen scheinen den Kontakt zu Ritchie eher zu meiden. Wenn er an einer der beiden Futterstellen ist, ziehen sie in der Regel wohl die zweite Stelle vor.

Neben den Orang-Utans gibt es noch anderes zu entdecken

Verschiedene Informationstafeln in einem Gebäude sowie außerhalb rund um die Besucherplattformen bieten umfangreiche Informationen zu der Arbeit im Semenggoh Wildlife Centre und zu den rehabilitierten Affen. Dort wird beispielsweise sehr umfangreich das mehrstufige und langwierige Auswilderungsprogramm im Rehabilitationszentrum erläutert. Für ältere Tiere kann dieser Prozess tatsächlich über 10 Jahre dauern. Außerdem wird jedes Tier mit Namen und Geschichte vorgestellt.

Neben Orang-Utans gibt es im Semenggoh Nature Reserve auch weitere interessante Flora und Fauna. So leben hier beispielsweise auch Gibbons, die ebenfalls ausgewildert wurden und nun in dem Naturschutzgebiet ein sicheres zu Hause gefunden haben.

Erschreckend ist allerdings das Krokodil-Gehege. Mehrere riesige Krokodile werden hier auf extrem kleiner Fläche gehalten. Das ist alles andere als artgerecht. So löblich die Arbeit des Semenggoh Wildlife Centre zum Schutz des Orang-Utans ist, so kritisch muss hinterfragt werden, weshalb Krokodile hier so eingepfercht leben müssen.

Erschreckend ist allerdings das Krokodil-Gehege. Mehrere riesige Krokodile werden hier auf extrem kleiner Fläche gehalten. Das ist alles andere als artgerecht. So löblich die Arbeit des Semenggoh Wildlife Centre zum Schutz des Orang-Utans ist, so kritisch muss hinterfragt werden, weshalb Krokodile hier so eingepfercht leben müssen.

Anreise nach Semenggoh

Das Semenggoh Nature Reserve liegt nur rund 20 Kilometer von Kuching entfernt. Von dort aus kannst du mit der Buslinie 6 bis zum Haupteingang des Naturschutzgebieters fahren. Die Fahrt dauert ungefähr 45 Minuten. Vom Haupteingang benötigst du nochmal rund 20 Minuten, bis du an den Fütterungsstellen des Semenggoh Wildlife Centre ankommst. Um rechtzeitig für die morgendliche Fütterung anzukommen, muss der erste Bus um 07.15 Uhr von der Jalan Masjid Bus Station in Kuching Town Centre genommen werden. Die Fahrt kostet circa 3 MYR.

Alternativ kannst di mit dem Taxi direkt bis zum Parkplatz am Semenggoh Wildlife Centre fahren. Die Fahrt dauert ab Kuching ungefähr 20-30 Minuten.

Der Eintritt in den Park kostet 10 MYR.

Schild Semenggoh Wildlife Centre

Unsere Empfehlung für das Semenggoh Wildlife Centre

Orang-Utans sind in freier Wildbahn nur sehr, sehr schwer zu finden. Von daher empfiehlt sich unbedingt ein Besuch einer Schutz-Einrichtung. Außerdem unterstützt du damit ein wenig die wichtige Arbeit, die hier zur Wiedereingliederung der Tiere in die Wildnis geleistet wird. Die Tour in das Semenggoh Wildlife Centre ist ab Kuching komfortabel an einem halben Tag zu machen. Eine Übernachtung in der Nähe des Zentrums ist also nicht nötig. Der Eintritt gilt für den gesamten Tag. Wenn du Zeit und Lust hast, oder bei der morgendlichen Fütterung keine Affen zu Gesicht bekommen hast, kannst du also auch noch zur zweiten Fütterung kommen. Verpflegung sollte mitgebracht werden. Allerdings bitte nichts zu dir nehmen, während Orang-Utans in der Nähe sind…

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